Street Photography an der Wand: Mein Besuch bei Jens Krauer
- Michel Amatucci

- vor 2 Tagen
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Besuch im Haus der Fotografie (IPFO) in Olten.
Man steht vor diesen Bildern und merkt plötzlich, wie laut eine Fotografie sein kann – obwohl sie völlig still ist. Mit diesem Gefühl habe ich die Ausstellung von Jens Krauer im Haus der Fotografie (IPFO) in Olten verlassen. Es war kein klassischer Museumsbesuch, kein distanziertes Betrachten von gerahmten Werken – vielmehr eine direkte Begegnung mit Menschen, Momenten und Emotionen, eingefroren in Schwarz-Weiss.
Wer ist Jens Krauer?
Jens Krauer ist ein in Zürich lebender Street‑ und Dokumentarfotograf, der weltweit an langfristigen fotografischen Projekten arbeitet. Seine Bilder entstehen in urbanen Räumen rund um den Globus – unter anderem in New York, Istanbul, Paris, Kiew, Hongkong und Tokio.
Was seine Arbeiten auszeichnet, ist der kompromisslose Fokus auf das reale Leben: ungestellt, roh, direkt. Krauer interessiert sich nicht für Perfektion oder Inszenierung, sondern für den entscheidenden Moment, in dem sich Mensch, Raum und Zeit kurz berühren.

Arbeitsweise und Stil
Krauers fotografischer Ansatz ist tief in der klassischen Street Photography verwurzelt – und gleichzeitig zeitlos aktuell.
Er fotografiert auf der Strasse, im öffentlichen Raum, mitten im Geschehen.
Seine Bilder sind fast ausschliesslich Schwarz‑Weiss – reduziert, klar und emotional.
Im Zentrum stehen Menschen: ihre Gesten, Blicke, Beziehungen zueinander.
Viele Szenen wirken flüchtig, beinahe zufällig – und sind doch präzise beobachtet.
Die Fotografie wird bei Krauer zum stillen Zeugnis des Urbanen: humorvoll, hart, zärtlich, manchmal brutal ehrlich.
Mein Erlebnis an der Ausstellung im Haus der Fotografie
Schon beim Betreten der Ausstellung war spürbar: Hier geht es nicht nur um Bilder, sondern um Begegnungen.
Die Werke wurden von der Kuratorin äusserst bewusst und sensibel inszeniert. Abstände, Blickachsen, Bildfolgen – alles wirkte durchdacht, ohne den Bildern ihre Kraft zu nehmen. Im Gegenteil: Die Präsentation verstärkte ihre Wirkung.
Was mir besonders geblieben ist:
Spannend – jede Serie erzählt ihre eigene Geschichte
Authentisch – nichts wirkt gekünstelt oder gesucht
Fantastische Bilder, die lange nachhallen
Ich war ehrlich berührt von vielen Momenten
Es ist diese leise Intensität, die einen nicht loslässt. Menschen betrachten Menschen – und erkennen sich selbst darin wieder.
Menschen betrachten Menschen
Reflexion: Was Street Photography im Ausstellungsraum verändert
Die Ausstellung hat mir erneut gezeigt, wie stark sich die Wirkung von Street Photography verändert, je nach Kontext.
Auf der Strasse:
flüchtig
chaotisch
laut
Bewegung
Im Galerieraum:
still
gerahmt
kontrolliert
distanziert
Und doch verlieren die Bilder nichts von ihrer Energie. Im Gegenteil: Die Ruhe des Raums erlaubt es, länger hinzusehen, Details zu entdecken und sich emotional einzulassen.
Was ich für meine eigene Fotografie mitnehme:
Die Ausstellung war für mich nicht nur inspirierend, sondern auch ermutigend.
Mehr Mut im öffentlichen Raum – Nähe zulassen, Situationen aushalten
Auch Top‑Fotograf:innen haben viel Ausschuss – gute Bilder entstehen aus Masse
Emotionen zulassen – nicht nur Technik oder Komposition zählen
Vertrauen in den eigenen Blick entwickeln
Street Photography ist kein Sammeln schöner Szenen. Es ist Beobachtung, Geduld – und Menschlichkeit.
Schlusswort
Die Ausstellung von Jens Krauer im Haus der Fotografie Olten ist grandios.
Sie zeigt eindrücklich, wie kraftvoll, laut und berührend Fotografie sein kann – selbst dann, wenn sie vollkommen still ist. Wer sich für Street Photography, Dokumentarfotografie oder einfach für das echte Leben interessiert, sollte diese Ausstellung nicht verpassen.
Man verlässt den Raum mit offenen Augen. Und vielleicht mit dem Wunsch, draussen genauer hinzusehen.












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